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22/06/2010 Transplantationen mit einem "Pool" aus drei Spendernieren
Sind Spender und Empfänger einer Nierentransplantation nicht kompatibel, dann können so genannte Überkreuztransplantationen helfen. Jeder Empfänger erhält so die Niere, die mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht abgestoßen wird, auch wenn diese von einem unbekannten Lebendspender stammt. In den letzten Monaten wurden in Großbritannien erstmals solche Operationen mit drei Paaren durchgeführt.

Die britische Organspendeorganisation Human Tissue Authority (HTA) hofft, dass der Erfolg zukünftig zu mehr Überkreuztransplantation führen könnte. Die Operationen können durchgeführt werden, wenn ein Patient zwar einen nahen Angehörigen hat, der ihm eine Niere spenden möchte, diese aber nicht zum Patienten passt. Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, können in diesem Fall Paare zusammengeführt werden, die besser kompatibel sind, so dass die Spendernieren über Kreuz eingesetzt werden können. In den USA wird das Verfahren bereits häufiger angewendet.

Die HTA überwacht und koordiniert die Organspende in Großbritannien. Sie prüft unter anderem, dass auf den Lebendspender kein Druck ausgeübt wird und seine Spende freiwillig geschieht. Bevor die Niere entnommen wird, muss der Spender über mögliche Risiken aufgeklärt und diese verstanden haben. Bei einer Überkreuztransplantation bleiben die Paare anonym, damit eine eventuelle Nötigung ausgeschlossen werden kann. Auch in Deutschland wird die Motivation des Spenders genau geprüft, damit finanzielle Interessen oder Nötigungen ausgeschlossen werden können. Allerdings ist die Rechtslage für eine Überkreuztransplantation bislang nicht eindeutig geklärt.

In Großbritannien sind Überkreuztransplantationen seit 2006 legal. Immer häufiger werden zwei Paare zusammengeführt, 16 dieser Operationen fanden im letzten Jahr statt, drei weitere Transplantationen mit drei Paaren in den letzten Monaten. Dabei gilt: Je mehr Paare zusammengeführt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf eine passende Niere für die unterschiedlichen Empfänger. Allerdings, so kommentierte Keith Riggs, Mitglied der Human Tissue Authority und Präsident der britischen Transplantationsgesellschaft, müssten sie erst "mehr Erfahrungen mit Spenden zwischen zwei oder drei Paaren sammeln", bevor sie darüber nachdenken könnten, "kompliziertere Austausche" mit mehr Spendern durchzuführen.

In Großbritannien stammt jede dritte Niere von einem Lebendspender. Die überwältigende Mehrheit dieser Transplantationen finden zwischen Menschen statt, die sich entweder emotional nahe stehen oder verwandt sind, zum Beispiel Ehepartner, Geschwister oder enge Freunde.

Quelle: Human Tissue Authority, 8. März 2010

Biermann Medizin

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